Liquiditätsplanung für Selbstständige: In 5 Schritten zum eigenen Liquiditätsplan
Ein Liquiditätsplan zeigt dir Monat für Monat, ob dein Geld reicht – lange bevor es eng wird. So baust du ihn in einer Stunde selbst auf.
- Liquidität ist das Geld, das tatsächlich auf dem Konto ist – nicht der Gewinn aus der Buchhaltung.
- Ein Liquiditätsplan listet je Monat alle erwarteten Einzahlungen und Auszahlungen und rechnet den Kontostand fort.
- Die drei häufigsten Löcher: späte Kundenzahlungen, Umsatzsteuer und Steuervorauszahlungen.
- Einmal aufgesetzt, kostet die Pflege 20 Minuten im Monat – und zeigt Engpässe drei bis sechs Monate im Voraus.
Die meisten Selbstständigen wissen ziemlich genau, wie viel Umsatz sie machen. Deutlich weniger wissen, wie lange ihr Geld reicht, wenn ein großer Kunde erst in 60 Tagen zahlt und gleichzeitig die Umsatzsteuer fällig wird. Genau diese Frage beantwortet ein Liquiditätsplan – und er ist einfacher aufgebaut, als viele denken.
Was Liquiditätsplanung eigentlich ist
Liquidität ist das Geld, das wirklich verfügbar ist: der Kontostand plus das, was sicher noch reinkommt, minus das, was sicher noch rausgeht. Gewinn ist etwas anderes. Gewinn entsteht in der Buchhaltung, wenn eine Rechnung geschrieben wird – Liquidität entsteht erst, wenn das Geld auf dem Konto landet. Dazwischen liegen oft Wochen.
Ein Liquiditätsplan ist eine Tabelle mit einer Spalte pro Monat. In jeder Spalte stehen die erwarteten Einzahlungen (Kundenzahlungen, nicht Rechnungsstellungen), die erwarteten Auszahlungen (Miete, Software, Versicherungen, Steuern, dein eigener Unternehmerlohn) und der daraus folgende Kontostand am Monatsende. Dieser Endstand ist der Anfangsstand des nächsten Monats. Mehr Mathematik braucht es nicht.
Schritt 1: Den Startpunkt festhalten
Notiere den heutigen Kontostand aller Geschäftskonten. Wenn du privates und geschäftliches Geld auf einem Konto hast, ist jetzt ein guter Moment, das zu trennen – allein die Trennung macht die Planung um Klassen einfacher.
Schritt 2: Einzahlungen realistisch planen
Trage für jeden Monat ein, welche Zahlungen du erwartest. Entscheidend ist der Zahlungszeitpunkt, nicht das Rechnungsdatum. Wenn deine Kunden im Schnitt 30 Tage brauchen, landet eine Rechnung vom 15. März erst im April in der Spalte.
Drei Kategorien helfen beim Schätzen
- Sicher: laufende Verträge, Retainer, bereits gestellte Rechnungen.
- Wahrscheinlich: Angebote, die erfahrungsgemäß angenommen werden.
- Hoffnung: alles andere. Diese Kategorie kommt nicht in den Plan.
Wer nur die ersten beiden Kategorien plant, erlebt selten böse Überraschungen.
Schritt 3: Auszahlungen vollständig erfassen
Hier passieren die meisten Fehler, weil unregelmäßige Zahlungen vergessen werden. Geh einmal die Kontoauszüge der letzten zwölf Monate durch und sortiere alles in drei Gruppen:
- Monatlich: Miete, Software, Telefon, Versicherungen, Krankenkasse, Unternehmerlohn.
- Quartalsweise: Umsatzsteuer-Vorauszahlung (je nach Turnus), Einkommensteuer-Vorauszahlung, Beiträge.
- Jährlich: Kfz-Versicherung, Berufsverband, Steuerberater, Jahresabschluss, größere Anschaffungen.
Der eigene Unternehmerlohn gehört als feste Auszahlung in den Plan. Wer sich „das nimmt, was übrig ist“, plant nicht, sondern hofft.
Schritt 4: Den Kontostand fortrechnen
Jetzt rechnet die Tabelle: Anfangsbestand plus Einzahlungen minus Auszahlungen ergibt den Endbestand, der in den nächsten Monat übergeht. Markiere jeden Monat, in dem der Endbestand unter deine Reserve fällt – zum Beispiel unter drei Monatsausgaben. Diese Monate sind deine Frühwarnung.
Beispiel (fiktive Zahlen)
Eine Beraterin startet mit 14.000 € auf dem Konto. Sie erwartet im Januar 7.500 € Einzahlungen bei 6.200 € Auszahlungen, im Februar 4.000 € bei 6.200 € (ein Kunde zahlt spät) und im März 9.000 € bei 10.700 €, weil die Umsatzsteuer und die Einkommensteuer-Vorauszahlung fällig werden.
| Monat | Anfang | Einzahlungen | Auszahlungen | Ende |
|---|---|---|---|---|
| Januar | 14.000 € | 7.500 € | 6.200 € | 15.300 € |
| Februar | 15.300 € | 4.000 € | 6.200 € | 13.100 € |
| März | 13.100 € | 9.000 € | 10.700 € | 11.400 € |
Auf den ersten Blick sieht alles gut aus. Zieht man aber die Reserve von drei Monatsausgaben (rund 18.600 €) als Ziel heran, liegt sie in jedem Monat darunter – und der Plan zeigt, dass der März trotz des höchsten Umsatzes der teuerste Monat ist. Genau solche Zusammenhänge sieht man ohne Plan nicht.
Schritt 5: Monatlich abgleichen
Am Monatsanfang ersetzt du die Planwerte des Vormonats durch die tatsächlichen Zahlen und schiebst den Horizont um einen Monat weiter. Das dauert etwa 20 Minuten. Nach drei Monaten weißt du, wie gut deine Schätzungen sind – und wirst automatisch besser.
Typische Fehler, die den Plan wertlos machen
- Rechnungsdatum statt Zahlungsdatum eintragen.
- Umsatzsteuer als eigenes Geld betrachten. Sie liegt nur vorübergehend auf dem Konto.
- Steuervorauszahlungen vergessen, weil sie „nur“ vierteljährlich kommen.
- Keine Reserve definieren. Ohne Ziel gibt es keine Warnung.
- Den Plan aufsetzen und dann nie wieder anfassen.
Wer diese fünf Punkte vermeidet, hat bereits eine bessere Planung als die meisten kleinen Unternehmen.
Fazit
Ein Liquiditätsplan ist keine Buchhaltung und kein Businessplan, sondern eine einfache Vorausschau auf dein Konto. Der Aufbau dauert eine Stunde, die Pflege 20 Minuten im Monat. Dafür siehst du Engpässe Monate im Voraus und kannst handeln, statt zu reagieren. Wenn du nicht bei null starten willst: Ein fertiges Cockpit mit Zwölf-Monats-Forecast, Szenarien und Rücklagen-Planer findest du unter Liquiditätsplanung – und einen schnellen ersten Eindruck liefert der kostenlose Liquiditäts-Schnellcheck.
Häufige Fragen
Wie weit im Voraus sollte ich planen?
Reicht dafür Excel?
Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplan und Businessplan?
Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.
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