Steuerrücklagen bilden: Die 3-Konten-Methode für Selbstständige
Die Steuernachzahlung kommt nie überraschend – sie wird nur oft ignoriert. Mit drei Konten und einer festen Regel ist das Thema dauerhaft erledigt.
- Umsatzsteuer und Einkommensteuer sind die beiden größten Posten, die auf dem Konto liegen, aber nicht dir gehören.
- Die 3-Konten-Methode trennt Geschäftskonto, Steuerkonto und Reservekonto – die Überweisung wird zur Routine statt zur Entscheidung.
- Ein fester Prozentsatz pro Zahlungseingang ist einfacher und sicherer als eine monatliche Schätzung.
- Die Rücklage wird jährlich mit dem Steuerbescheid abgeglichen und angepasst.
Es gibt kaum ein Thema, das Selbstständige so zuverlässig in Schwierigkeiten bringt wie die Steuernachzahlung. Nicht, weil sie unerwartet käme – jeder weiß, dass sie kommt. Sondern weil das Geld, das dafür gedacht war, längst in anderen Ausgaben verschwunden ist. Die Lösung ist keine Disziplin, sondern ein System, das die Disziplin überflüssig macht.
Warum das Geld auf dem Konto nicht dir gehört
Wenn ein Kunde eine Rechnung über 5.950 € bezahlt, liegen 5.950 € auf dem Konto. Davon gehören dir aber nur 5.000 €. Die 950 € Umsatzsteuer sind ein Durchlaufposten: Du hast sie für das Finanzamt eingesammelt und führst sie mit der nächsten Voranmeldung ab.
Von den 5.000 € geht später außerdem ein Teil als Einkommensteuer weg – je nach Gewinn und Situation oft ein Viertel bis ein Drittel. Und wenn dein Gewinn steigt, setzt das Finanzamt die Vorauszahlungen für das laufende Jahr hoch und fordert zusätzlich die Nachzahlung für das Vorjahr. Das ist der Moment, in dem es eng wird: zwei Steuerjahre in einem.
Wer den Kontostand als „mein Geld“ liest, plant mit Zahlen, die es nicht gibt.
Die 3-Konten-Methode
Die Idee ist simpel: Geld, das nicht dir gehört, verlässt sofort das Konto, auf dem du arbeitest. Dafür brauchst du drei Konten – oft reichen kostenlose Unterkonten bei deiner Bank.
Konto 1: Geschäftskonto
Hier kommt alles an und hier gehen alle Betriebsausgaben ab. Miete, Software, Versicherungen, Unternehmerlohn. Der Kontostand hier ist die einzige Zahl, mit der du im Alltag arbeitest.
Konto 2: Steuerkonto
Bei jedem Zahlungseingang überweist du zwei Beträge hierher: die enthaltene Umsatzsteuer komplett und einen festen Prozentsatz des Nettobetrags für die Einkommensteuer. Von diesem Konto werden ausschließlich Zahlungen an das Finanzamt geleistet.
Konto 3: Reservekonto
Ein fester Betrag pro Monat, bis die Reserve steht – als Faustregel drei Monatsausgaben. Diese Reserve ist für Auftragsflauten, Krankheit und Ausfälle da. Nicht für Steuern, nicht für den neuen Laptop.
Die Regel, die alles trägt
Die Methode funktioniert nur mit einer festen Regel, die keine Entscheidung erfordert. Zum Beispiel:
Bei jedem Zahlungseingang: Umsatzsteuer plus 30 % vom Netto auf das Steuerkonto. Am 1. jedes Monats: 400 € auf das Reservekonto.
Ob 30 % der richtige Satz ist, hängt von deinem Gewinn und deiner persönlichen Situation ab – der letzte Steuerbescheid und dein Steuerberater liefern die Grundlage. Wichtiger als der exakte Satz ist, dass die Überweisung automatisch passiert. Viele Banken erlauben Daueraufträge mit Prozentregeln; sonst dauert die manuelle Überweisung dreißig Sekunden direkt nach dem Blick in den Zahlungseingang.
Beispiel (fiktive Zahlen)
Eine Grafikerin erhält im Monat Zahlungen über 8.330 € brutto (7.000 € netto plus 1.330 € Umsatzsteuer). Ihre Regel: Umsatzsteuer komplett, 30 % vom Netto für die Einkommensteuer.
| Bewegung | Betrag | Konto |
|---|---|---|
| Zahlungseingang | 8.330 € | Geschäftskonto |
| Umsatzsteuer | −1.330 € | → Steuerkonto |
| Einkommensteuer-Rücklage (30 % von 7.000 €) | −2.100 € | → Steuerkonto |
| Reserve (Monatsregel) | −400 € | → Reservekonto |
| Verbleibt für Betrieb und Unternehmerlohn | 4.500 € | Geschäftskonto |
Auf dem Geschäftskonto stehen 4.500 €, nicht 8.330 €. Das fühlt sich im ersten Monat nach weniger an. Nach zwölf Monaten liegen auf dem Steuerkonto rund 41.000 € – und die Umsatzsteuer-Voranmeldungen, die Einkommensteuer-Vorauszahlungen und die Nachzahlung sind einfach nur noch Umbuchungen.
Was passiert bei zu viel oder zu wenig Rücklage?
Einmal im Jahr, wenn der Steuerbescheid kommt, gleichst du ab. Ist auf dem Steuerkonto mehr, als du brauchst, kannst du den Überschuss in die Reserve schieben oder den Prozentsatz senken. War es zu wenig, erhöhst du den Satz. Nach zwei bis drei Jahren ist die Rücklage erstaunlich präzise – und die Nachzahlung ein Ereignis ohne Herzklopfen.
Wichtig: Dieser Artikel erklärt eine Methode, keine steuerliche Beratung. THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG. Den passenden Prozentsatz und die Termine für deine Situation klärst du mit deinem Steuerberater.
Fazit
Steuerrücklagen scheitern nicht am Wissen, sondern am Alltag. Die 3-Konten-Methode nimmt die Entscheidung aus dem Alltag heraus: Was nicht dir gehört, verlässt das Geschäftskonto sofort. Wer wissen möchte, wie hoch die Rücklagen im Zeitverlauf sein sollten und wann die großen Zahlungen fällig werden, plant das am besten in einem Zwölf-Monats-Forecast mit Rücklagen-Planer – siehe Liquiditätsplanung. Und wie ein solcher Plan aufgebaut wird, steht in der Liquiditätsplanung für Selbstständige in 5 Schritten.
Häufige Fragen
Wie viel Prozent sollte ich für Steuern zurücklegen?
Ist die Umsatzsteuer nicht schon durch die Voranmeldung erledigt?
Brauche ich wirklich drei Konten?
Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.
Sieh in 60 Sekunden, wie lange dein Geld reicht.
Das Liquiditätstool ist das komplette Cockpit als Excel: 12-Monats-Forecast, Szenarien, Rücklagen-Planer und Ampel. Einmal kaufen, sofort starten – oder das Online-Modul 14 Tage gratis testen.