Unternehmerlohn berechnen: Wie viel du dir monatlich auszahlen darfst
Fester Unternehmerlohn statt Entnahme nach Kontostand: So rechnest du in drei Schritten aus, wie viel du dir jeden Monat auszahlen kannst – mit Beispiel.
- Der Unternehmerlohn ist ein fester monatlicher Betrag, den du planmäßig für deine Arbeit ansetzt, statt dich nach Kontostand auszuzahlen.
- Berechnet wird er von hinten nach vorn: privater Nettobedarf geteilt durch (1 minus angenommener Steueranteil).
- Ob dein Geschäft den Lohn trägt, zeigt die Gegenrechnung aus Unternehmerlohn, Betriebskosten und realistisch fakturierbaren Stunden.
- Ein Dauerauftrag, ein separates Steuerkonto und ein Puffer von zwei bis drei Monatsauszahlungen machen den festen Lohn im Alltag stabil.
- Altersvorsorge und Notgroschen gehören fest in den Nettobedarf und sind kein Extra für gute Monate.
Du hast Geld auf dem Geschäftskonto und fragst dich jeden Monat aufs Neue: Wie viel davon darf ich mir eigentlich auszahlen? In manchen Monaten überweist du dir großzügig etwas aufs Privatkonto, in anderen fast nichts, weil gerade eine große Rechnung ansteht. Das Ergebnis: Du weißt nie genau, was du wirklich verdienst, und die Steuerzahlung im nächsten Jahr trifft dich kalt.
Ein fester Unternehmerlohn löst dieses Problem. Er ist die Zahl, die dein Unternehmen jeden Monat an dich zahlt, unabhängig davon, wie der Kontostand gerade aussieht. In diesem Artikel rechnen wir Schritt für Schritt aus, wie hoch dieser Betrag bei dir sein sollte.
Was der Unternehmerlohn ist – und was nicht
Gewinn, Entnahme und Unternehmerlohn auseinanderhalten
Drei Begriffe werden oft durcheinandergebracht:
- Gewinn ist das, was nach Abzug aller Betriebskosten vom Umsatz übrig bleibt. Er steht in deiner Gewinnermittlung, aber nicht unbedingt auf deinem Konto.
- Entnahme ist bei Einzelunternehmen und Freiberuflern jeder Betrag, den du vom Geschäftskonto ins Private überweist. Sie ist keine Betriebsausgabe und mindert den Gewinn nicht.
- Unternehmerlohn ist der Betrag, den du dir planmäßig für deine eigene Arbeit zahlst. Er ist eine kalkulatorische Größe: In deiner Planung behandelst du ihn wie ein Gehalt, auch wenn er steuerlich eine Entnahme bleibt.
Als Geschäftsführer:in einer GmbH ist die Sache etwas anders gelagert: Dein Gehalt ist eine echte Betriebsausgabe und läuft über die Lohnabrechnung. Die Logik der Berechnung bleibt aber dieselbe.
Warum „nach Kontostand“ nicht funktioniert
Wer sich nach Kontostand auszahlt, macht drei Dinge gleichzeitig falsch, ohne es zu merken:
- Ein Teil des Geldes auf dem Konto gehört nicht dir, sondern dem Finanzamt (Umsatzsteuer, Einkommensteuer) und deinen künftigen Kosten.
- Gute Monate fühlen sich besser an, als sie sind, schlechte Monate schlechter. Deine private Planung schwankt mit.
- Du siehst nie, ob dein Geschäft deine Arbeit überhaupt trägt. Ein Jahr kann rechnerisch profitabel aussehen und trotzdem einen kümmerlichen Stundenlohn bedeuten.
Warum Gewinn und Kontostand oft auseinanderlaufen, erklärt der Artikel Gewinn da, aber kein Geld? genauer.
Unternehmerlohn berechnen: In drei Schritten von hinten nach vorn
Viele rechnen vom Umsatz aus nach unten. Für den Unternehmerlohn ist der umgekehrte Weg besser: Du beginnst bei dem, was du privat brauchst, und arbeitest dich zum nötigen Umsatz vor.
Schritt 1: Privaten Bedarf ehrlich ermitteln
Schreib alle privaten Ausgaben eines normalen Monats auf: Miete, Lebenshaltung, Versicherungen, Mobilität, Kinder, Hobbys, Abos. Vergiss die unregelmäßigen Posten nicht: Urlaub, Autoreparatur, Zahnarzt. Rechne sie aufs Jahr hoch und teile durch zwölf.
Ein Posten, der bei Selbstständigen besonders oft fehlt: die Altersvorsorge. Niemand zahlt sie für dich ein. Wenn du sie nicht in den Unternehmerlohn einplanst, findet sie nicht statt. Auch Kranken- und Pflegeversicherung gehören in diese Liste, wenn du sie aus dem Privaten bezahlst.
Das Ergebnis ist dein privater Nettobedarf: der Betrag, der nach Steuern auf deinem Privatkonto landen muss.
Schritt 2: Steuern draufrechnen
Der Unternehmerlohn ist ein Bruttobetrag. Aus dem, was dein Unternehmen an dich zahlt, musst du noch die Einkommensteuer bedienen, je nach Situation auch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag. Wie hoch dieser Anteil ist, hängt von deinem Gesamteinkommen, deinem Familienstand und weiteren Faktoren ab.
Für die Planung reicht ein pauschaler Prozentsatz, den du als Annahme setzt und später mit der tatsächlichen Steuerlast abgleichst. Die Formel:
Unternehmerlohn = privater Nettobedarf ÷ (1 – Steueranteil)
Bei einem angenommenen Steueranteil von 25 % ergibt ein Nettobedarf von 3.000 € also einen Unternehmerlohn von 4.000 €.
An dieser Stelle ein Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG. Welcher Steueranteil bei dir realistisch ist und wie hoch deine Vorauszahlungen ausfallen, klärst du am besten mit deinem Steuerberater.
Schritt 3: Prüfen, ob dein Geschäft das trägt
Jetzt drehst du die Rechnung um. Zum Unternehmerlohn kommen alle Betriebskosten (Software, Versicherungen, Buchhaltung, Büro, Marketing) und eine Rücklage für Investitionen. Die Summe ist der Netto-Umsatz, den du im Monat erwirtschaften musst, ohne Umsatzsteuer.
Teile diese Summe durch deine realistisch fakturierbaren Stunden pro Monat, und du hast den Stundensatz, den du mindestens brauchst. Liegt er über dem, was du heute verlangst, weißt du, wo das Problem sitzt: nicht bei deiner Disziplin, sondern beim Preis oder bei der Auslastung.
Für diese Gegenrechnung kannst du den kostenlosen Stundensatz-Rechner nutzen.
Praxisbeispiel: Unternehmerlohn einer Beraterin
Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Alle Zahlen sind Annahmen und dienen nur dazu, den Rechenweg zu zeigen.
Lena ist selbstständige Beraterin mit Einzelunternehmen, lebt allein in einer mittelgroßen Stadt und arbeitet im Schnitt 80 fakturierbare Stunden im Monat. Der Rest ihrer Arbeitszeit geht für Akquise, Buchhaltung und Weiterbildung drauf.
Schritt 1 und 2: Vom Nettobedarf zum Unternehmerlohn
| Position | Monatlich |
|---|---|
| Miete inkl. Nebenkosten | 1.100 € |
| Lebenshaltung (Essen, Mobilität, Kleidung) | 900 € |
| Kranken- und Pflegeversicherung | 450 € |
| Altersvorsorge | 400 € |
| Privater Puffer (Urlaub, Reparaturen, Anschaffungen) | 300 € |
| Privater Nettobedarf | 3.150 € |
| Steueraufschlag (Annahme: 25 % vom Unternehmerlohn) | 1.050 € |
| Unternehmerlohn | 4.200 € |
Rechenweg: 3.150 € ÷ (1 – 0,25) = 4.200 €.
Schritt 3: Trägt das Geschäft diesen Lohn?
| Position | Monatlich |
|---|---|
| Unternehmerlohn | 4.200 € |
| Betriebskosten (Software, Versicherungen, Buchhaltung, Marketing) | 1.100 € |
| Rücklage für Investitionen | 200 € |
| Nötiger Netto-Umsatz | 5.500 € |
| Fakturierbare Stunden (Annahme) | 80 h |
| Nötiger Stundensatz | 68,75 € |
Lena verlangt aktuell 60 € pro Stunde. Bei 80 Stunden sind das 4.800 € Umsatz, also 700 € weniger als nötig. Bisher ist ihr das nicht aufgefallen, weil sie sich nach Kontostand ausgezahlt und die Altersvorsorge in schwachen Monaten einfach ausgesetzt hat. Mit der Rechnung wird es sichtbar: Entweder steigt der Stundensatz auf rund 69 €, oder die Auslastung auf etwa 92 Stunden, oder sie senkt bewusst ihren Nettobedarf.
Den festen Unternehmerlohn im Alltag umsetzen
Ein Dauerauftrag statt vieler Einzelentscheidungen
Richte einen monatlichen Dauerauftrag vom Geschäftskonto aufs Privatkonto ein, am besten an einem festen Tag. Ab jetzt ist dein Privatleben von den Schwankungen des Geschäfts entkoppelt. Der Steueranteil wandert am selben Tag auf ein separates Steuerkonto, auf dem Privatkonto landet der Nettobedarf. Wie du das mit drei Konten sauber organisierst, beschreibt die 3-Konten-Methode.
Einen Puffer aufbauen, bevor du startest
Ein fester Lohn funktioniert nur, wenn das Geschäftskonto Schwankungen abfangen kann. Ziel ist ein Polster von mindestens zwei bis drei Monatsauszahlungen auf dem Geschäftskonto, bevor du den Dauerauftrag scharf schaltest. Fehlt das Polster, starte mit einem niedrigeren Lohn und erhöhe ihn, sobald der Puffer steht.
Einmal im Quartal nachjustieren
Der Unternehmerlohn ist keine Zahl für die Ewigkeit. Prüfe alle drei Monate: Hat sich dein privater Bedarf verändert? Passt der angenommene Steueranteil zu den tatsächlichen Vorauszahlungen? Wächst oder schrumpft der Puffer auf dem Geschäftskonto? Wächst er dauerhaft, kannst du dir am Jahresende eine bewusste Sonderentnahme gönnen. Schrumpft er, ist der Lohn zu hoch oder der Preis zu niedrig.
Typische Fehler beim Unternehmerlohn
Den Unternehmerlohn nicht in den Preis einrechnen. Wer beim Stundensatz nur die Betriebskosten berücksichtigt, arbeitet umsonst. Der Unternehmerlohn ist der größte Kostenblock deiner Kalkulation und gehört als erste Zeile hinein. Das Kalkulationstool von THA·ONE baut den Stundensatz genau aus dieser Logik auf: Kosten inklusive Unternehmerlohn, geteilt durch die realistische Auslastung.
Mit Wunschstunden statt echten Stunden rechnen. 160 Stunden im Monat sind Arbeitszeit, nicht Rechnungszeit. Akquise, Verwaltung, Urlaub und Krankheit fehlen in dieser Zahl.
Den Lohn mit dem Umsatz verwechseln. 8.000 € Umsatz im Monat klingen gut. Nach Umsatzsteuer, Betriebskosten und Steuerrücklage bleibt davon nur ein Teil übrig, den du wirklich ausgeben kannst.
Vorsorge als Luxus behandeln. Altersvorsorge und ein privater Notgroschen sind kein Extra, das du in guten Monaten dazunimmst, sondern fester Bestandteil des Nettobedarfs.
Fazit
Ein fester Unternehmerlohn ist keine Frage der Disziplin, sondern eine Rechnung: privater Nettobedarf plus Steueranteil ergibt den monatlichen Betrag, den dein Unternehmen an dich zahlen muss. Ob es das kann, zeigt die Gegenrechnung über Betriebskosten und fakturierbare Stunden. Liegt der nötige Stundensatz über deinem aktuellen, hast du eine klare Aufgabe: Preis, Auslastung oder Bedarf anpassen. Liegt er darunter, weißt du zum ersten Mal sicher, dass dein Geschäft deine Arbeit wirklich bezahlt.
Häufige Fragen
Wie hoch sollte mein Unternehmerlohn sein?
Ist der Unternehmerlohn eine Betriebsausgabe?
Was mache ich, wenn das Geschäftskonto den festen Lohn nicht hergibt?
Wie oft sollte ich den Unternehmerlohn anpassen?
Kann ich mir zusätzlich zum festen Lohn Geld entnehmen?
Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.
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