Finanzplanung für Selbstständige: Der einfache Einstieg für Anfänger
Drei Konten, vier Zahlen, ein fester Termin im Monat: So startest du als Selbstständiger ohne Vorwissen in die eigene Finanzplanung.
- Drei Konten (Geschäft, Steuer, Rücklage) plus ein fester Unternehmerlohn machen aus einem unübersichtlichen Kontostand ein System, das du auf einen Blick lesen kannst.
- Vier Zahlen reichen für den Einstieg: monatliche Fixkosten, Unternehmerlohn, Steueranteil und Puffer in Monaten.
- Teile jeden Zahlungseingang sofort auf und halte einmal im Monat einen festen Finanztermin von 30 bis 60 Minuten.
- Ein knapp wirkendes Geschäftskonto ist kein Warnsignal, wenn Steuer und Rücklage bereits auf ihren eigenen Konten liegen.
- Businessplan, Dashboards und Preisoptimierung können warten – die Steuerrücklage nicht.
Du bist selbstständig, die ersten Rechnungen sind raus, das Geschäftskonto füllt sich – und leert sich wieder. Irgendwo dazwischen liegt die Frage, wie viel davon eigentlich dir gehört. Wie viel für Steuern zurück muss. Ob der ruhige August zum Problem wird. Genau hier setzt Finanzplanung an. Sie ist kein Projekt für ein ganzes Wochenende, sondern ein einfaches System aus drei Bausteinen: Konten, Zahlen und eine feste Routine.
Warum Finanzplanung am Anfang so schwer wirkt
Der Kontostand sagt nicht die Wahrheit
Der Kontostand zeigt dir, was heute da ist – nicht, was davon schon verplant ist. Ein Teil gehört dem Finanzamt, ein Teil deckt die Fixkosten der nächsten Wochen, ein Teil ist für eine Rechnung reserviert, die erst nächsten Monat fällig wird. Solange all das auf einem Konto liegt, sieht ein guter Monat besser aus, als er ist. Und ein schlechter Monat schlimmer.
Angestellte haben ein System, Selbstständige bauen es sich selbst
Als Angestellter kommt am Monatsende ein fester Betrag, Steuern und Abgaben sind schon abgezogen. Als Selbstständiger bekommst du Bruttobeträge, unregelmäßig, und musst die Abzüge selbst organisieren. Das ist kein Mangel an Disziplin, sondern schlicht eine Aufgabe, die dir vorher jemand abgenommen hat. Sie braucht ein einfaches Gerüst – mehr nicht.
Baustein 1: Konten, die deine Entscheidungen abbilden
Drei Konten reichen für den Anfang
- Geschäftskonto: Hier kommen alle Einnahmen an, und alle Betriebsausgaben gehen ab.
- Steuerkonto: Auf dieses Konto legst du bei jedem Zahlungseingang einen festen Anteil zurück. Das Geld ist gedanklich weg – es gehört dem Finanzamt.
- Rücklagenkonto: Hier sammelst du den Puffer für schwache Monate und größere Anschaffungen.
Dazu kommt dein privates Konto, auf das du dir einen festen Unternehmerlohn überweist. Wie die Aufteilung im Detail funktioniert, erklärt der Artikel zur 3-Konten-Methode für Steuerrücklagen.
Warum das mehr bringt als jede App
Die Konten trennen nicht nur Geld, sie trennen Fragen. „Kann ich mir das leisten?“ beantwortet das Geschäftskonto. „Bin ich auf die Steuer vorbereitet?“ beantwortet das Steuerkonto. „Wie lange halte ich ohne Auftrag durch?“ beantwortet das Rücklagenkonto. Du musst nicht mehr rechnen, um zu wissen, wo du stehst – ein Blick reicht.
Baustein 2: Vier Zahlen, die du kennen solltest
Du brauchst keine Bilanz und keine Kennzahlensammlung. Vier Zahlen genügen, um die wichtigsten Entscheidungen zu treffen.
1. Deine monatlichen Fixkosten
Alles, was jeden Monat abgeht, egal ob du arbeitest oder nicht: Miete für Büro oder Arbeitszimmer, Versicherungen, Software, Telefon, Beiträge, Kreditraten. Diese Zahl ist deine Untergrenze. Deine privaten Fixkosten gehören nicht hierher – die deckst du aus dem Unternehmerlohn.
2. Dein Unternehmerlohn
Der Betrag, den du dir jeden Monat auf dein Privatkonto überweist – fest, nicht „was übrig bleibt“. Er orientiert sich an deinen privaten Kosten plus einem Anteil für private Rücklagen und Altersvorsorge. Wenn er noch nicht drin ist, weißt du zumindest, wo du hinwillst.
3. Dein Steueranteil
Ein Prozentsatz vom Umsatz, den du bei jedem Zahlungseingang aufs Steuerkonto schiebst. Die Höhe hängt von deiner Situation ab: Einkommen, Rechtsform, Familienstand, ob du Umsatzsteuer abführst. Wichtig ist am Anfang weniger die exakte Zahl als die Gewohnheit, überhaupt abzuzweigen. Finanzplanung, wie sie hier beschrieben ist, bleibt dabei eine Planungshilfe – auch THA·ONE ist keine Steuerberatung im Sinne des StBerG. Welcher Anteil für dich passt und welche Fristen gelten, klärst du mit deinem Steuerberater.
4. Dein Puffer in Monaten
Wie viele Monate deckt dein Rücklagenkonto deine Fixkosten und deinen Unternehmerlohn, wenn kein Cent mehr reinkommt? Diese Zahl sagt dir, wie ruhig du schlafen kannst – und wie viel Zeit du hast, wenn ein Kunde wegbricht. Der kostenlose Liquiditäts-Schnellcheck gibt dir dafür in wenigen Minuten eine erste Einordnung.
Baustein 3: Die Routine, die alles zusammenhält
Bei jedem Zahlungseingang: aufteilen
Rechnung bezahlt? Dann sofort den Steueranteil aufs Steuerkonto und einen festen Anteil aufs Rücklagenkonto. Das dauert zwei Minuten und nimmt die Entscheidung aus dem Moment heraus. Du musst nicht überlegen, du führst nur aus.
Einmal im Monat: der Finanztermin
Blocke dir einen festen Termin, 30 bis 60 Minuten, am besten in der ersten Woche des Monats. Dabei:
- Kontostände aller drei Konten notieren
- Offene Rechnungen prüfen: Wer ist überfällig?
- Bekannte Ausgaben der nächsten drei Monate eintragen
- Unternehmerlohn überweisen
- Eine Frage beantworten: Reicht das Geld bis in drei Monaten?
Wer diesen Termin regelmäßig hält, hat schon den Kern einer Liquiditätsplanung. Wie daraus ein vollständiger Plan über zwölf Monate wird, zeigt der Beitrag Liquiditätsplanung in 5 Schritten. Ob du das in einer eigenen Tabelle machst oder in einem fertigen Cockpit wie dem von THA·ONE, ist am Anfang zweitrangig – wichtig ist, dass du es überhaupt machst.
Einmal im Quartal: nachjustieren
Stimmt der Steueranteil noch? Ist der Unternehmerlohn realistisch? Sind neue Fixkosten dazugekommen? Alle drei Monate kurz drüberschauen, den Rest des Jahres laufen lassen.
Praxisbeispiel: Lenas erstes Quartal mit System
Nehmen wir Lena, eine freiberufliche Texterin. Das Beispiel ist fiktiv, alle Zahlen sind frei gewählt. Sie startet im Januar mit 2.000 € auf dem Geschäftskonto, die anderen Konten sind leer. Ihre geschäftlichen Fixkosten liegen bei 900 € im Monat, ihr Unternehmerlohn soll 2.200 € betragen. Als Annahme legt sie 30 % ihres Umsatzes aufs Steuerkonto und 10 % aufs Rücklagenkonto.
| Monat | Umsatz | Steuerkonto (30 %) | Rücklage (10 %) | Fixkosten | Unternehmerlohn | Geschäftskonto am Monatsende |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Januar | 4.500 € | 1.350 € | 450 € | 900 € | 2.200 € | 1.600 € |
| Februar | 3.200 € | 960 € | 320 € | 900 € | 2.200 € | 420 € |
| März | 5.800 € | 1.740 € | 580 € | 900 € | 2.200 € | 800 € |
Nach drei Monaten liegen 4.050 € auf dem Steuerkonto, 1.350 € auf dem Rücklagenkonto und 800 € auf dem Geschäftskonto.
Was Lena daraus lernt: Das Geschäftskonto wirkt knapp – aber das ist Absicht. Die Steuer ist vorbereitet, ein erster Puffer ist entstanden, und sie hat sich drei Monate lang einen festen Lohn gezahlt. Der Februar zeigt ihr außerdem etwas Wichtiges: Bei 3.200 € Umsatz wird es eng. Das ist die Grenze, unter die sie nicht dauerhaft fallen darf – eine wertvolle Information für ihre Preise und ihre Akquise.
Ohne Kontentrennung hätte sie Ende März 6.200 € auf einem einzigen Konto gesehen und sich vermutlich wohler gefühlt, als sie sollte.
Was du am Anfang weglassen kannst
Nicht jedes Thema muss sofort auf den Tisch. Ein Businessplan mit Fünfjahresprognose, Kennzahlen-Dashboards, ausgefeilte Buchhaltungssoftware – das kann warten. Auch die Frage, ob dein Stundensatz stimmt, beantwortest du besser, sobald du weißt, was du monatlich brauchst. Dann hilft der kostenlose Stundensatz-Rechner beim Abgleich.
Was du dagegen nicht weglassen solltest: die Steuerrücklage. Sie entscheidet oft darüber, ob ein gutes erstes Jahr im zweiten Jahr zum Problem wird – nämlich dann, wenn Nachzahlung und Vorauszahlungen zusammen kommen und das Geld längst ausgegeben ist.
Fazit
Finanzplanung für Selbstständige beginnt nicht mit einer Software, sondern mit drei Konten, vier Zahlen und einem Termin im Kalender. Die Konten sortieren dein Geld, die Zahlen zeigen dir deine Grenzen, die Routine sorgt dafür, dass beides aktuell bleibt. Fang mit dem an, was du heute schon hast: Eröffne die zwei zusätzlichen Konten, notiere deine Fixkosten und blocke den ersten Finanztermin. Der Rest wächst mit.
Häufige Fragen
Brauche ich als Anfänger wirklich drei Konten?
Wie viel Prozent sollte ich für Steuern zurücklegen?
Wie viel Zeit kostet Finanzplanung pro Monat?
Was ist der Unterschied zwischen Unternehmerlohn und Gewinn?
Reicht eine einfache Tabelle oder brauche ich ein Tool?
Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.
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