Liquiditätsplan erstellen: Vorlage mit Spalten, Zeilen und Formeln
Ein Liquiditätsplan braucht keine 40 Zeilen. Diese Vorlage zeigt Spalten, Zeilen und Formeln – mit fiktivem Beispiel zum Nachbauen in Excel.
- Ein einfacher Liquiditätsplan besteht aus einer Spalte pro Monat und fünf Bereichen: Anfangsbestand, Einzahlungen, Auszahlungen, Saldo und Endbestand.
- Drei Formeln reichen: zwei Summen, Saldo plus Anfangsbestand – und der Endbestand eines Monats wird zum Anfangsbestand des nächsten.
- Im Plan zählt nur, wann Geld tatsächlich auf dem Konto ankommt oder abgeht, nicht wann die Rechnung geschrieben wird.
- Eine eigene Zeile für Steuern und Vorauszahlungen macht die größten und am leichtesten vergessenen Ausgaben sichtbar.
- Einmal im Monat den echten Kontostand eintragen – dann bleibt der Plan verlässlich und zeigt Engpässe rechtzeitig.
Du hast Aufträge, die Rechnungen gehen raus – und trotzdem ist unklar, ob die nächste Steuer-Vorauszahlung und die Miete gleichzeitig vom Konto gehen können. Genau für dieses Gefühl gibt es den Liquiditätsplan. Er beantwortet eine einzige Frage: Wie viel Geld ist wann auf dem Konto?
Die gute Nachricht: Für den Anfang reicht eine Tabelle mit wenigen Zeilen, ein paar Spalten und drei Formeln. In diesem Artikel baust du diese Vorlage Schritt für Schritt auf – so, dass du sie direkt in Excel, Google Sheets oder Numbers nachbauen kannst.
Was ein Liquiditätsplan ist – und was nicht
Ein Liquiditätsplan zeigt, wie sich dein Kontostand über die nächsten Monate entwickelt. Er rechnet nicht mit Gewinn, sondern nur mit Geld, das tatsächlich fließt: Zahlungseingänge und Zahlungsausgänge.
Das ist ein wichtiger Unterschied zur Gewinnermittlung. Eine Rechnung, die du im März schreibst, ist im März Umsatz – aber oft erst im April oder Mai Geld auf dem Konto. Der Liquiditätsplan interessiert sich nur für den zweiten Zeitpunkt. Warum das so entscheidend ist, erklärt der Artikel Gewinn da, aber kein Geld? ausführlicher.
Warum eine eigene Vorlage besser ist als ein Download
Fertige Vorlagen aus dem Netz haben oft 40 Zeilen, von denen du 30 nicht brauchst. Wer den Plan selbst aufbaut, versteht jede Zeile – und pflegt ihn deshalb auch nach drei Monaten noch. Genau darum geht es hier: die kleinste Version, die wirklich funktioniert.
Der Aufbau: Spalten und Zeilen
Die Spalten: ein Monat pro Spalte
In der ersten Spalte stehen die Bezeichnungen. Danach folgt pro Monat eine Spalte. Für den Einstieg reichen sechs Monate, besser sind zwölf – dann siehst du auch saisonale Dellen, etwa einen ruhigen August oder einen Januar, in dem viele Kunden noch keine Budgets freigegeben haben.
Wichtig: Trage in jeder Monatsspalte ein, was in diesem Monat auf dem Konto passiert. Nicht, wann du die Leistung erbringst, sondern wann das Geld kommt oder geht.
Die Zeilen: drei Blöcke und zwei Summenzeilen
Ein einfacher Liquiditätsplan besteht aus fünf Bereichen:
- Anfangsbestand – der Kontostand am 1. des Monats
- Einzahlungen – alle Zahlungseingänge, nach Quelle getrennt
- Auszahlungen – alle Zahlungsausgänge, nach Art getrennt
- Saldo – Einzahlungen minus Auszahlungen
- Endbestand – Anfangsbestand plus Saldo
Bei den Einzahlungen reichen für Soloselbstständige meist drei Zeilen: Kundenzahlungen aus bestehenden Aufträgen, erwartete Zahlungen aus noch offenen Angeboten und sonstige Einnahmen wie eine Umsatzsteuer-Erstattung oder eine Privateinlage.
Bei den Auszahlungen lohnt sich etwas mehr Detail, weil hier die Überraschungen stecken:
- Fixkosten (Miete, Versicherungen, Software, Telefon)
- Variable Kosten (Freelancer, Material, Reisekosten)
- Unternehmerlohn beziehungsweise Privatentnahme
- Steuern und Vorauszahlungen (Umsatzsteuer, Einkommensteuer)
- Rücklagen, die du aktiv auf ein anderes Konto überweist
- Kredittilgung, Leasing, Investitionen
Trenne unbedingt eine eigene Zeile für Steuerzahlungen ab. Sie kommen unregelmäßig, sind hoch und werden am leichtesten vergessen.
Die Formeln: drei reichen
Angenommen, die Monate stehen in den Spalten B bis M, der Anfangsbestand in Zeile 2, die Einzahlungen in den Zeilen 4 bis 6 und die Auszahlungen in den Zeilen 9 bis 14. Dann brauchst du nur diese Formeln:
Summe Einzahlungen und Summe Auszahlungen
=SUMME(B4:B6) → Summe Einzahlungen (Zeile 7)
=SUMME(B9:B14) → Summe Auszahlungen (Zeile 15)
Saldo und Endbestand
=B7-B15 → Saldo des Monats (Zeile 16)
=B2+B16 → Endbestand (Zeile 17)
Der Anfangsbestand des Folgemonats
Das ist die eigentliche Verkettung des Plans: Der Anfangsbestand im März ist der Endbestand im Februar.
=B17 → in Zelle C2 (Anfangsbestand März)
Diese Formel ziehst du nach rechts durch alle Monate. Ab jetzt reicht es, in der ersten Spalte den echten Kontostand einzutragen – alle Folgemonate rechnen automatisch weiter.
Eine Ampel als Bonus
Wenn du sofort sehen willst, wo es eng wird, färbe die Endbestand-Zeile per bedingter Formatierung: rot unter 0 €, gelb unterhalb deiner persönlichen Mindestreserve (zum Beispiel 5.000 €), grün darüber. Das ersetzt keine Analyse, macht aber jede Lücke auf den ersten Blick sichtbar.
Praxisbeispiel: Vier Monate für eine Beraterin
Das folgende Beispiel ist frei erfunden. Die Zahlen sollen nur zeigen, wie die Vorlage zusammenspielt.
Lena ist selbstständige Marketingberaterin. Sie startet im Januar mit 8.000 € auf dem Geschäftskonto, hat einen Stammkunden mit 4.500 € pro Monat und ein zweites Projekt, dessen Rechnung über 6.000 € sie im Februar stellt – bezahlt wird erfahrungsgemäß erst rund 30 Tage später. Im März plant sie eine Umsatzsteuer-Vorauszahlung ein, im April eine Einkommensteuer-Vorauszahlung. Beide Beträge sind reine Annahmen für das Beispiel.
| Zeile | Januar | Februar | März | April |
|---|---|---|---|---|
| Anfangsbestand | 8.000 € | 6.900 € | 4.300 € | 8.300 € |
| Kundenzahlung Stammkunde | 4.500 € | 4.500 € | 4.500 € | 4.500 € |
| Kundenzahlung Projekt B | 0 € | 0 € | 6.000 € | 0 € |
| Sonstige Einzahlungen | 0 € | 0 € | 0 € | 0 € |
| Summe Einzahlungen | 4.500 € | 4.500 € | 10.500 € | 4.500 € |
| Fixkosten | 1.100 € | 1.100 € | 1.100 € | 1.100 € |
| Variable Kosten | 500 € | 2.000 € | 400 € | 500 € |
| Privatentnahme | 3.000 € | 3.000 € | 3.000 € | 3.000 € |
| Steuern / Vorauszahlungen | 0 € | 0 € | 1.500 € | 2.800 € |
| Rücklagen-Überweisung | 1.000 € | 1.000 € | 500 € | 1.000 € |
| Summe Auszahlungen | 5.600 € | 7.100 € | 6.500 € | 8.400 € |
| Saldo | -1.100 € | -2.600 € | 4.000 € | -3.900 € |
| Endbestand | 6.900 € | 4.300 € | 8.300 € | 4.400 € |
Was der Plan zeigt: Im Februar sinkt der Kontostand auf 4.300 €, obwohl Lena in diesem Monat 6.000 € Umsatz „gemacht“ hat. Das Geld kommt erst im März. Wäre im Februar zusätzlich ein Laptop für 2.500 € fällig gewesen, hätte es eng werden können – nicht, weil das Geschäft schlecht läuft, sondern weil der Zeitpunkt ungünstig ist.
Genau dafür ist die Vorlage da: Sie macht Zeitpunkte sichtbar, nicht nur Beträge. Lena könnte den Laptop auf März verschieben, die Rücklagen-Überweisung im Februar aussetzen oder beim Projektkunden eine Abschlagszahlung vereinbaren.
So hältst du den Plan aktuell
Einmal im Monat abgleichen
Trage am Monatsanfang den echten Kontostand ein und überschreibe die Planzahl. Dadurch korrigiert sich der ganze Plan nach rechts. Liegt der echte Wert regelmäßig deutlich unter dem Planwert, sind meist die Zahlungsziele zu optimistisch – dann rechne mit 45 statt 30 Tagen.
Unsichere Einzahlungen kennzeichnen
Offene Angebote landen gern zu früh und zu vollständig im Plan. Eine einfache Regel: Nur, was beauftragt ist, kommt in die Zeile „Kundenzahlung“. Alles andere kommt in eine separate Zeile „Erwartet, nicht sicher“ – und die ziehst du beim Blick auf den Endbestand gedanklich ab.
Wenn die Vorlage zu klein wird
Irgendwann wollen viele mehr: mehrere Szenarien nebeneinander, Rücklagen mit Soll- und Ist-Wert, eine Aussage darüber, wie lange das Geld bei ausbleibenden Einzahlungen reicht. Das lässt sich mit weiteren Tabellenblättern selbst bauen. Wer sich das sparen möchte, findet mit dem Liquiditätstool von THA·ONE ein fertiges Excel-Cockpit mit 12-Monats-Forecast, Szenarien und Ampel. Für einen ersten Eindruck, ob es überhaupt eng ist, reicht der kostenlose Liquiditäts-Schnellcheck.
Ein Hinweis zu den Steuerzeilen: Welche Beträge und Termine für dich tatsächlich gelten, hängt von deiner Situation ab. THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG – die konkreten Zahlen klärst du am besten mit deinem Steuerberater.
Fazit
Ein Liquiditätsplan muss nicht kompliziert sein. Eine Spalte pro Monat, drei Blöcke an Zeilen, drei Formeln – und die Verkettung vom Endbestand zum nächsten Anfangsbestand. Das ist die ganze Vorlage.
Der Wert liegt weniger im Rechnen als im Hinsehen: Du erkennst Monate, in denen das Geld knapp wird, lange bevor sie da sind. Und du kannst reagieren, solange noch Spielraum ist. Wenn du den Plan zum ersten Mal aufbaust, hilft dir die Anleitung Liquiditätsplanung für Selbstständige in 5 Schritten beim Einstieg.
Häufige Fragen
Wie viele Monate sollte ein Liquiditätsplan abdecken?
Welche Formeln brauche ich für einen Liquiditätsplan in Excel?
Was ist der Unterschied zwischen Liquiditätsplan und Gewinnplanung?
Wie gehe ich mit unsicheren Einzahlungen im Liquiditätsplan um?
Wie oft sollte ich den Liquiditätsplan aktualisieren?
Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.
Sieh in 60 Sekunden, wie lange dein Geld reicht.
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