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Liquidität

Runway berechnen: Wie viele Monate reicht das Geld in deinem Unternehmen?

Der Runway zeigt, wie viele Monate dein Unternehmen mit dem vorhandenen Geld durchhält. Formel, Beispiel und Interpretation – ohne Fachchinesisch.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Runway gibt an, wie viele Monate dein Unternehmen mit dem verfügbaren Geld durchhält: liquide Mittel geteilt durch monatlichen Netto-Geldabfluss.
  • Rechne nur mit Geld, das du frei einsetzen kannst – Steuerrücklagen, offene Forderungen und der Kontokorrentrahmen gehören nicht in die Hauptrechnung.
  • Der monatliche Abfluss muss den Unternehmerlohn und anteilige Quartals- und Jahresposten enthalten, sonst wirkt der Runway länger, als er ist.
  • Als grobe Orientierung gilt: unter 3 Monaten kritisch, 3 bis 6 Monate solide, über 6 Monate komfortabel – bei saisonalem Geschäft eher höher ansetzen.
  • Der Runway ist keine Prognose, sondern deine Reaktionszeit – berechne ihn monatlich, damit du früh gegensteuern kannst.

Auf dem Geschäftskonto liegen 18.000 €. Ist das viel? Wenig? Die ehrliche Antwort: Das kommt darauf an, wie schnell das Geld schmilzt. Genau das beantwortet der Runway – die Anzahl der Monate, die dein Unternehmen mit dem vorhandenen Geld durchhält, wenn kein neuer Euro mehr hereinkommt.

Der Begriff stammt aus der Start-up-Welt, ist für Soloselbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen aber genauso nützlich. Ein Auftrag bricht weg, eine große Rechnung wird drei Monate zu spät bezahlt, du fällst wegen Krankheit aus – in solchen Momenten wird die Frage „Wie lange reicht das Geld?" sehr konkret. Besser, du kennst die Antwort schon vorher.

Was der Runway aussagt

Die Definition in einem Satz

Der Runway ist die Zeitspanne in Monaten, die dein Unternehmen mit dem verfügbaren Geld überbrücken kann, bevor das Konto bei null steht. Er verbindet zwei Größen, die du beide kennen solltest: deine liquiden Mittel und deinen monatlichen Geldabfluss.

Warum der Kontostand allein nicht reicht

Ein Kontostand ist eine Momentaufnahme. Er sagt nichts darüber, wie viel jeden Monat fest abfließt. 18.000 € sind für jemanden mit 2.000 € Monatskosten ein komfortables Polster von neun Monaten. Für ein kleines Büro mit zwei Angestellten und 12.000 € Monatskosten sind es knapp sechs Wochen Luft. Erst der Runway macht den Kontostand einordbar.

Die Formel: So berechnest du deinen Runway

Die Grundformel

Runway (Monate) = verfügbare liquide Mittel ÷ monatlicher Netto-Geldabfluss

Der monatliche Netto-Geldabfluss wird oft „Burn Rate" genannt. Er beschreibt, wie viel Geld pro Monat unter dem Strich vom Konto verschwindet. Zwei Varianten sind üblich:

  • Brutto-Runway: Du rechnest so, als kämen keinerlei Einnahmen mehr herein. Liquide Mittel ÷ gesamte monatliche Ausgaben. Das ist die konservative Sicht, der Worst Case.
  • Netto-Runway: Du ziehst die Einnahmen ab, die realistisch weiterlaufen, etwa laufende Retainer oder Wartungsverträge. Liquide Mittel ÷ (Ausgaben − sichere Einnahmen).

Für Selbstständige ist der Brutto-Runway meist die ehrlichere Zahl, weil die Einnahmen oft an wenigen Kunden hängen.

Was zählt zu den verfügbaren Mitteln?

Zähle nur Geld, das du wirklich frei einsetzen kannst:

  • Guthaben auf Geschäftskonten
  • Tagesgeld- oder Rücklagenkonten, die für den Betrieb gedacht sind
  • Kassenbestand

Nicht dazu gehören:

  • Reserviertes Geld, etwa Rücklagen für Umsatzsteuer und Einkommensteuer. Dieses Geld gehört dir wirtschaftlich nicht mehr.
  • Offene Forderungen. Eine gestellte Rechnung ist noch kein Geld auf dem Konto.
  • Der Kontokorrentrahmen. Er ist ein Kredit, kein Vermögen. Du kannst ihn als Reserve separat betrachten, solltest ihn aber nicht in die Hauptrechnung mischen.

Was gehört in den monatlichen Abfluss?

Alles, was regelmäßig vom Konto geht:

  • Miete, Software, Versicherungen, Telefon, Buchhaltung
  • Personalkosten, falls vorhanden
  • Kreditraten und Leasing
  • Dein Unternehmerlohn, also das, was du privat zum Leben brauchst
  • Anteilig: Steuervorauszahlungen, Beiträge, Jahresrechnungen

Der letzte Punkt wird gern vergessen. Wer nur die monatlichen Abbuchungen summiert, unterschätzt den Abfluss, weil Quartals- und Jahresposten fehlen. Rechne sie auf zwölf Monate um.

Ein Hinweis zu den Steuerposten: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG. Welche Vorauszahlungen und Rücklagen bei dir konkret anfallen, klärst du am besten mit deinem Steuerberater.

Praxisbeispiel: Der Runway einer Beraterin

Das folgende Beispiel ist frei erfunden und dient nur der Veranschaulichung. Stell dir Lena vor, selbstständige Marketingberaterin ohne Angestellte.

Schritt 1: Verfügbare Mittel ermitteln

Position Betrag
Guthaben Geschäftskonto 30.000 €
abzüglich reservierte Steuerrücklage − 9.000 €
zuzüglich betriebliches Rücklagenkonto + 6.000 €
Verfügbare liquide Mittel 27.000 €

Schritt 2: Monatlichen Abfluss ermitteln

Position pro Monat
Coworking-Miete 450 €
Software, Tools, Telefon 220 €
Versicherungen (Kranken-, Berufshaftpflicht) 780 €
Buchhaltung, Steuerberatung 150 €
Marketing, Weiterbildung (Jahresbudget ÷ 12) 200 €
Unternehmerlohn (privater Bedarf) 2.700 €
Summe Abfluss 4.500 €

Schritt 3: Runway berechnen

Brutto-Runway: 27.000 € ÷ 4.500 € = 6 Monate.

Lena hat außerdem einen Retainer-Kunden, der verlässlich 1.500 € im Monat zahlt. Netto-Runway: 27.000 € ÷ (4.500 € − 1.500 €) = 27.000 € ÷ 3.000 € = 9 Monate.

Die Interpretation: Fällt alles weg, hält Lena sechs Monate durch. Bleibt der Retainer, sind es neun. Beide Zahlen sind nützlich – die erste zeigt das Sicherheitsnetz, die zweite den wahrscheinlicheren Verlauf.

Runway interpretieren: Was die Zahl dir sagt

Drei Zonen als Orientierung

Einen offiziellen Richtwert gibt es nicht. Der passende Runway hängt davon ab, wie schnell du neue Aufträge gewinnst und wie stark dein Geschäft schwankt. Als grobe Orientierung für Selbstständige und kleine Unternehmen:

  • Unter 3 Monaten: kritisch. Ein einziger verspäteter Zahlungseingang kann zum Engpass führen. Jetzt handeln, nicht abwarten.
  • 3 bis 6 Monate: solide, aber ohne viel Spielraum für Überraschungen. Ein guter Zeitpunkt, um Rücklagen gezielt aufzubauen.
  • Über 6 Monate: komfortabel. Du kannst schwache Phasen aussitzen, in Ruhe verhandeln und musst keinen Auftrag aus Angst annehmen.

Wenn deine Umsätze stark saisonal sind oder Projekte lange Vorlaufzeiten haben, verschiebe die Grenzen nach oben.

Runway ist keine Prognose

Der Runway beschreibt den Status quo unter der Annahme, dass alles so weiterläuft wie jetzt. Er sagt nicht, wann das Geld tatsächlich ausgeht, sondern wie viel Zeit du hast, um gegenzusteuern. Ein Runway von vier Monaten bedeutet: Du hast vier Monate, um neue Aufträge zu gewinnen, Kosten zu senken oder Reserven zu aktivieren.

Eine bewegliche Zahl

Berechne den Runway nicht einmal im Jahr, sondern monatlich. Steigen die Kosten oder sinken die Reserven, verkürzt er sich – manchmal schneller, als man denkt. Für den ersten Überblick genügt ein kostenloser Liquiditäts-Schnellcheck. Wenn du die Zahl dauerhaft im Blick behalten willst, führt das Liquiditätstool von THA·ONE den Runway automatisch aus dem 12-Monats-Forecast mit, inklusive Best-, Base- und Worst-Szenario (mehr dazu).

Typische Fehler beim Runway berechnen

Reserviertes Geld mitzählen

Ein klassischer Fehler: Steuerrücklagen als verfügbar ansehen. Dann wirkt der Runway länger, als er ist, und die nächste Vorauszahlung trifft dich doppelt.

Den Unternehmerlohn vergessen

Wer nur Betriebskosten rechnet und den privaten Bedarf weglässt, unterschätzt den Abfluss deutlich. Du musst schließlich weiterhin wohnen, essen und deine Krankenversicherung zahlen.

Nur mit Durchschnitten rechnen

Der Runway rechnet mit einem gleichmäßigen Abfluss. In Wirklichkeit gibt es Monate mit Nachzahlungen, Jahresbeiträgen oder Anschaffungen. Für diese Fälle ergänzt eine monatsgenaue Liquiditätsplanung in 5 Schritten den Runway sinnvoll.

Runway verlängern: Deine Hebel

Ist die Zahl zu niedrig, hast du im Grunde drei Stellschrauben:

  1. Abfluss senken: Abos prüfen, Fixkosten hinterfragen, große Anschaffungen verschieben. Bei 4.500 € Monatsabfluss verlängern 300 € Ersparnis den Runway im Beispiel oben bereits von 6,0 auf 6,4 Monate.
  2. Verfügbare Mittel erhöhen: Offene Rechnungen konsequent nachhalten, kürzere Zahlungsziele vereinbaren, Anzahlungen bei größeren Projekten.
  3. Sichere Einnahmen aufbauen: Retainer, Wartungsverträge oder wiederkehrende Leistungen verkleinern die Lücke zwischen Ausgaben und Einnahmen und verbessern den Netto-Runway.

Ein Ziel-Runway ist außerdem ein guter Anker für die Frage, wie groß dein betrieblicher Notgroschen sein sollte: Multipliziere deinen Monatsabfluss mit der Zahl der Monate, die du absichern willst.

Fazit

Der Runway übersetzt deinen Kontostand in eine Zeitangabe – und das ist die Einheit, in der du tatsächlich Entscheidungen triffst. Die Formel ist einfach: verfügbare Mittel geteilt durch monatlichen Abfluss. Entscheidend ist, dass du ehrlich rechnest: reserviertes Geld herausnehmen, den Unternehmerlohn einrechnen, Jahresposten anteilig berücksichtigen.

Rechne die Zahl einmal im Monat nach. Liegt sie über sechs Monaten, hast du Ruhe für gute Entscheidungen. Liegt sie unter drei, weißt du, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, an den Stellschrauben zu drehen – und nicht erst, wenn das Konto leer ist.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Runway und Burn Rate?
Die Burn Rate ist der monatliche Netto-Geldabfluss, also wie viel Geld pro Monat unter dem Strich vom Konto verschwindet. Der Runway ist das Ergebnis, wenn du deine verfügbaren Mittel durch diese Burn Rate teilst: die Anzahl der Monate, die das Geld reicht.
Zählt mein Kontokorrentkredit zum Runway?
In der Hauptrechnung besser nicht. Ein Dispo oder Kontokorrentrahmen ist geliehenes Geld, das zurückgezahlt und verzinst werden muss. Du kannst ihn als zusätzliche Reserve separat notieren, solltest ihn aber nicht mit deinem eigenen Guthaben vermischen.
Wie viele Monate Runway sollte ein Selbstständiger haben?
Einen festen Richtwert gibt es nicht, weil es auf die Schwankungen deines Geschäfts und die Vorlaufzeit neuer Aufträge ankommt. Als Orientierung: Unter drei Monaten wird es eng, ab sechs Monaten hast du Spielraum für ruhige Entscheidungen. Bei stark saisonalem Geschäft lohnt sich ein höheres Ziel.
Muss ich den Unternehmerlohn in den Runway einrechnen?
Ja, unbedingt. Dein privater Bedarf für Wohnen, Essen und Krankenversicherung fließt jeden Monat ab, egal ob Aufträge da sind oder nicht. Wer ihn weglässt, rechnet sich einen deutlich zu langen Runway aus.
Wie oft sollte ich den Runway neu berechnen?
Monatlich ist ein guter Rhythmus. Kosten steigen, Reserven sinken, ein Kunde fällt weg – all das verändert den Runway schnell. Wer die Zahl regelmäßig prüft, erkennt Trends früh und muss nicht erst reagieren, wenn das Konto leer ist.

Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.

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