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Liquidität

Notgroschen für Selbstständige: Wie viel Reserve du wirklich brauchst

Drei Nettogehälter zurücklegen? Für Selbstständige greift diese Regel zu kurz. So berechnest du deine Liquiditätsreserve und baust sie Schritt für Schritt auf.

Das Wichtigste in Kürze
  • Der Notgroschen für Selbstständige bemisst sich nicht am Gehalt, sondern am monatlichen Grundbedarf aus geschäftlichen und privaten Fixkosten.
  • Zielbetrag = Grundbedarf × Anzahl der Monate; wie viele Monate, hängt von Schwankung, Kundenabhängigkeit, Vertriebsdauer und sonstiger Absicherung ab.
  • Die Steuerrücklage ist kein Notgroschen, sondern bereits verplantes Geld und gehört auf einen eigenen Topf.
  • Ein separates Konto, ein automatischer Übertrag und Etappenziele sorgen dafür, dass die Reserve verlässlich wächst.
  • Klare Regeln, wofür die Reserve genutzt wird und dass sie danach wieder aufgefüllt wird, machen sie erst wirksam.

Angestellten wird oft geraten, drei Nettogehälter zurückzulegen. Wenn du selbstständig bist, hilft dir dieser Rat wenig. Du hast kein Nettogehalt, deine Einnahmen schwanken, und wenn ein Kunde spät zahlt oder ein Auftrag wegbricht, laufen deine Kosten trotzdem weiter.

Die Frage "Wie viel Notgroschen brauche ich?" hat für Selbstständige deshalb eine andere Antwort als für Angestellte. Sie hängt an deinen Fixkosten, an deinem Geschäftsmodell und daran, wie schnell du Ausfälle ausgleichen kannst. In diesem Artikel rechnen wir das gemeinsam durch: Wie groß sollte deine Liquiditätsreserve sein, und wie baust du sie Schritt für Schritt auf, ohne dich dabei zu überfordern?

Warum der Notgroschen für Selbstständige anders ist

Kein festes Gehalt, aber feste Kosten

Der wichtigste Unterschied: Dein Einkommen ist variabel, deine Ausgaben sind es größtenteils nicht. Miete, Krankenversicherung, Software, Versicherungen und Lebenshaltung fallen jeden Monat an, egal ob du gerade 2.000 € oder 8.000 € Umsatz machst.

Dazu kommt der zeitliche Versatz. Du arbeitest im März, stellst Ende März die Rechnung, und das Geld kommt vielleicht im Mai. Fällt in dieser Zeit ein zweiter Auftrag aus, entsteht eine Lücke, die nichts mit deiner Auftragslage im Jahresschnitt zu tun hat. Der Notgroschen überbrückt genau diese Lücken.

Du brauchst eigentlich zwei Reserven

Viele denken beim Notgroschen nur an ihr Privatleben. Sinnvoller ist es, zwei Töpfe zu unterscheiden:

  • Die geschäftliche Reserve deckt die laufenden Kosten deines Unternehmens: Büro, Software, Versicherungen, Buchhaltung, gegebenenfalls Mitarbeitende oder Freelancer.
  • Die private Reserve deckt deinen Lebensunterhalt: Miete, Krankenversicherung, Essen, Altersvorsorge.

Ob du beide auf einem Konto führst oder getrennt, ist Geschmackssache. Wichtig ist, dass du beide Beträge kennst und in deiner Zielgröße berücksichtigst.

Ein dritter Topf gehört nicht zum Notgroschen, wird aber oft damit vermischt: die Steuerrücklage. Geld, das du für Einkommensteuer und Umsatzsteuer beiseitelegst, ist kein Puffer, sondern bereits verplant. Wie du das sauber trennst, zeigt der Artikel zur 3-Konten-Methode für Steuerrücklagen.

Wie viel Notgroschen brauchst du? Die Rechnung in drei Schritten

Schritt 1: Deine monatlichen Fixkosten ermitteln

Schreib alle Ausgaben auf, die auch dann anfallen, wenn du einen Monat lang keinen einzigen Euro einnimmst. Geschäftlich und privat. Variable Kosten wie Reisekosten für Kundentermine oder Materialeinkauf für Projekte lässt du weg, denn ohne Aufträge fallen sie nicht an.

Das Ergebnis ist dein monatlicher Grundbedarf. Diese eine Zahl ist die Basis für alles Weitere.

Schritt 2: Die Anzahl der Monate festlegen

Jetzt kommt die eigentliche Entscheidung: Wie viele Monate soll die Reserve tragen? Eine feste Regel gibt es nicht. Als Orientierung kannst du dir vier Fragen stellen:

  1. Wie stark schwanken deine Einnahmen? Wer jeden Monat ähnliche Umsätze hat, braucht weniger Puffer als jemand mit ausgeprägter Saisonalität oder großen Einzelprojekten.
  2. Wie abhängig bist du von einzelnen Kunden? Wenn ein Kunde mehr als ein Drittel deines Umsatzes ausmacht, sollte die Reserve den Ausfall dieses Kunden über mehrere Monate abfedern können.
  3. Wie lange dauert es, neue Aufträge zu gewinnen? Ein Coach mit gut gefüllter Warteliste ist schneller wieder ausgelastet als ein Berater mit sechsmonatigen Vertriebszyklen.
  4. Welche Absicherungen hast du sonst? Partnereinkommen, Krankentagegeld, ein Nebenjob oder ein Kontokorrentrahmen verändern die Rechnung.

Wer bei diesen Fragen eher entspannt antwortet, kommt oft mit drei Monaten aus. Wer bei mehreren Fragen ins Grübeln kommt, sollte eher sechs Monate oder mehr anpeilen. Das Ziel ist nicht der höchstmögliche Betrag, sondern der, mit dem du ruhig schläfst und trotzdem investieren kannst.

Schritt 3: Zielbetrag berechnen

Die Formel ist einfach:

Notgroschen = monatlicher Grundbedarf × Anzahl der Monate

Vergleiche diesen Zielbetrag mit dem, was heute auf deinem Rücklagenkonto liegt. Die Differenz ist deine Lücke: keine schlechte Nachricht, sondern eine konkrete Zahl, an der du arbeiten kannst.

Praxisbeispiel: So rechnet Beraterin Lena (fiktives Beispiel)

Lena ist selbstständige Marketing-Beraterin. Sie hat drei Stammkunden, arbeitet auf Projektbasis und merkt, dass die Sommermonate regelmäßig dünn sind. Alle Zahlen sind frei erfunden und dienen nur der Veranschaulichung.

Position Betrag pro Monat
Coworking-Platz 350 €
Software und Tools 120 €
Berufliche Versicherungen 180 €
Buchhaltung und Steuerberatung 150 €
Telefon, Internet, Sonstiges 200 €
Geschäftliche Fixkosten 1.000 €
Miete privat 950 €
Krankenversicherung 450 €
Lebenshaltung 700 €
Altersvorsorge 200 €
Sonstiges privat 200 €
Private Fixkosten 2.500 €
Monatlicher Grundbedarf 3.500 €

Lena entscheidet sich für vier Monate. Ihre Begründung: Die Einnahmen schwanken spürbar, aber ihre drei Kunden sind seit Jahren stabil und ihr Partner hat ein festes Einkommen.

Rechnung Betrag
Zielbetrag (3.500 € × 4 Monate) 14.000 €
Aktuell auf dem Rücklagenkonto 4.000 €
Lücke 10.000 €
Monatliche Sparrate 500 €
Dauer bis zum Ziel 20 Monate

Zwanzig Monate klingen lang. Lena könnte die Rate in guten Monaten auf 800 € erhöhen und wäre dann in gut zwölf Monaten am Ziel. Wichtig ist: Die Steuerrücklage läuft bei ihr parallel auf einem eigenen Konto und ist in dieser Rechnung nicht enthalten.

So baust du die Reserve auf

Ein eigenes Konto, eine feste Regel

Der Notgroschen gehört nicht auf das Geschäftskonto. Dort geht er zwischen Kundenzahlungen und Ausgaben unter. Ein separates Tagesgeldkonto reicht völlig; es muss vor allem verfügbar sein.

Richte einen Dauerauftrag ein, der direkt nach Monatsbeginn läuft. Wer erst am Monatsende überweist, "was übrig ist", spart meist unregelmäßig.

Prozent vom Umsatz statt fester Betrag

Wenn deine Einnahmen stark schwanken, ist ein fester Betrag manchmal frustrierend: In schwachen Monaten wird er zur Last, in starken bleibt Potenzial liegen. Alternative: Du überweist einen festen Prozentsatz jeder eingehenden Kundenzahlung, zum Beispiel 10 %. Bei einer Rechnung über 5.000 € gehen dann 500 € auf das Rücklagenkonto, bei 2.000 € sind es 200 €. Die Reserve wächst so automatisch im Takt deines Geschäfts.

Etappenziele setzen

Ein Zielbetrag von 14.000 € wirkt aus der Ferne unerreichbar. Teile ihn auf:

  • Etappe 1: Ein Monat Grundbedarf. Damit fängst du den ersten verspäteten Zahlungseingang ab.
  • Etappe 2: Drei Monate. Ab hier kannst du einen Kundenausfall in Ruhe ausgleichen.
  • Etappe 3: Dein persönlicher Zielwert.

Jede erreichte Etappe verändert spürbar, wie du verhandelst und auf Anfragen reagierst. Das ist der eigentliche Wert der Reserve, lange bevor sie voll ist.

Die Reserve in die Planung einbauen

Ein Notgroschen ist kein isolierter Sparplan, sondern Teil deiner Liquiditätsplanung. Wenn du deine nächsten zwölf Monate durchplanst, siehst du, in welchen Monaten Geld für die Reserve übrig bleibt und in welchen du sie vielleicht anzapfen musst. Ein erster Überblick geht mit dem kostenlosen Liquiditäts-Schnellcheck. Wer es genauer möchte, plant den Aufbau als IST, SOLL und GAP über die Monate; das Liquiditätstool von THA·ONE hat dafür einen eigenen Rücklagen-Planer und zeigt daneben, wie lange die Reserve im Ernstfall reicht.

Wann darfst du an den Notgroschen?

Eine Reserve nützt nur, wenn klar ist, wofür sie da ist. Lege dir drei Regeln fest:

  1. Nur für echte Engpässe. Ein Kunde zahlt nicht, ein Auftrag fällt aus, du bist krank. Nicht für das neue Notebook, nicht für die Weiterbildung, nicht für eine Investition. Dafür gibt es eigene Töpfe.
  2. Nicht für Steuern. Wenn die Steuernachzahlung höher ausfällt als gedacht, ist das ein Zeichen, dass die Steuerrücklage zu knapp bemessen war. THA·ONE ist übrigens eine Planungshilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG; wie hoch deine Vorauszahlungen und Rücklagen sein sollten, klärst du am besten mit deinem Steuerberater.
  3. Nach dem Griff wieder auffüllen. Sobald der Engpass vorbei ist, hat das Auffüllen Vorrang vor allen anderen Sparzielen.

Wer sich schon vor dem Engpass mit Warnsignalen beschäftigt, greift seltener zur Reserve. Der Artikel Liquiditätsengpass vermeiden zeigt, worauf du achten kannst.

Fazit

Wie viel Notgroschen Selbstständige brauchen, lässt sich nicht pauschal beantworten, aber sehr wohl berechnen: monatlicher Grundbedarf aus geschäftlichen und privaten Fixkosten, multipliziert mit der Anzahl der Monate, die zu deiner Situation passt. Für viele liegt der Zielwert zwischen drei und sechs Monatsbedarfen; je stärker deine Einnahmen schwanken und je abhängiger du von einzelnen Kunden bist, desto höher.

Der Weg dorthin ist wichtiger als die Zahl. Ein eigenes Konto, ein automatischer Übertrag und klare Etappen sorgen dafür, dass die Reserve wirklich wächst. Und sobald die erste Etappe steht, merkst du: Selbstständigkeit fühlt sich mit Puffer deutlich ruhiger an.

Häufige Fragen

Wie viel Notgroschen sollten Selbstständige haben?
Berechne zuerst deinen monatlichen Grundbedarf aus allen geschäftlichen und privaten Fixkosten. Multipliziere ihn mit der Anzahl der Monate, die zu deiner Situation passt. Für viele liegt das Ziel zwischen drei und sechs Monatsbedarfen, bei stark schwankenden Einnahmen eher darüber.
Gehört die Steuerrücklage zum Notgroschen?
Nein. Geld für Einkommensteuer und Umsatzsteuer ist bereits verplant und kein Puffer für Engpässe. Führe die Steuerrücklage auf einem eigenen Konto und rechne sie nicht in deinen Notgroschen ein.
Wo sollte ich den Notgroschen aufbewahren?
Auf einem separaten Konto, das nicht mit dem Geschäftskonto vermischt wird, zum Beispiel einem Tagesgeldkonto. Wichtig ist, dass das Geld jederzeit verfügbar ist und nicht versehentlich für laufende Ausgaben draufgeht.
Wie baue ich die Reserve auf, wenn meine Einnahmen stark schwanken?
Statt eines festen Betrags kannst du einen festen Prozentsatz jeder Kundenzahlung überweisen, zum Beispiel 10 %. So wächst die Reserve automatisch im Takt deines Geschäfts, ohne in schwachen Monaten zur Belastung zu werden. Etappenziele helfen zusätzlich, dranzubleiben.
Wann darf ich den Notgroschen anfassen?
Nur bei echten Engpässen wie Zahlungsausfällen, weggebrochenen Aufträgen oder Krankheit. Investitionen, Weiterbildungen und Steuern werden aus eigenen Töpfen bezahlt. Nach jedem Griff hat das Auffüllen Vorrang vor anderen Sparzielen.

Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.

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