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Kalkulation & Preise

Fakturierbare Stunden pro Jahr: Wie viele du wirklich abrechnen kannst

2.000 Stunden im Jahr? Die ehrliche Rechnung zeigt, wie viele Stunden du wirklich fakturieren kannst – und welche Hebel die Zahl verbessern.

Das Wichtigste in Kürze
  • Fakturierbar sind nur die Stunden, die du direkt einem Kunden in Rechnung stellst – Akquise, Verwaltung, Weiterbildung und Leerlauf zählen nicht dazu.
  • Die Rechnung geht in drei Schritten: verfügbare Arbeitstage ermitteln, mit Stunden pro Tag multiplizieren und mit einer realistischen Auslastungsquote bewerten.
  • Im fiktiven Beispiel bleiben von 2.000 angenommenen Stunden nur rund 1.108 fakturierbare – der nötige Stundensatz steigt dadurch von 45 € auf gut 81 €.
  • Die wirksamen Hebel sind weniger Verwaltung, weniger Leerlauf und ein Stundensatz, der zur echten Stundenzahl passt – nicht mehr Arbeitszeit oder weniger Urlaub.
  • Eine einfache Zeiterfassung mit zwei Kategorien liefert dir nach wenigen Monaten eine Auslastungsquote, die auf Daten statt auf Bauchgefühl beruht.

Du planst dein Jahr, rechnest 8 Stunden am Tag mal 5 Tage mal 50 Wochen und landest bei 2.000 Stunden. Auf dem Papier sieht das gut aus. Am Jahresende stellst du fest: Abgerechnet hast du vielleicht gut die Hälfte davon. Der Rest ist in Angeboten, E-Mails, Buchhaltung und Leerlauf verschwunden.

Das ist kein persönliches Versagen, sondern Mathematik. Wer Stundensatz oder Umsatzziel auf 2.000 Stunden aufbaut, rechnet mit Zeit, die es nicht gibt. In diesem Artikel gehst du Schritt für Schritt durch, wie viele Stunden du realistisch fakturieren kannst – und an welchen Stellschrauben du drehen kannst, wenn die Zahl kleiner ausfällt als gedacht.

Warum 2.000 Stunden eine Illusion sind

Arbeitszeit ist nicht abrechenbare Zeit

Als Angestellter wird dir jede Stunde bezahlt, die du im Büro bist – egal, ob du in Meetings sitzt oder Rechnungen prüfst. Als Selbstständiger bezahlt dich der Kunde nur für das, was du für ihn leistest. Alles andere ist Arbeit, die niemand auf einer Rechnung sieht.

Fakturierbare Stunden sind also nur die Stunden, die du direkt einem Kunden in Rechnung stellen kannst. Die Zeit für Angebote, Nachfassen, Buchhaltung, Weiterbildung oder das Aufsetzen deiner Website gehört zwar zu deinem Job, ist aber nicht fakturierbar.

Was typischerweise nicht auf der Rechnung landet

Wenn du ehrlich Buch führst, tauchen meist diese Posten auf:

  • Akquise und Vertrieb: Erstgespräche, Angebote schreiben, Netzwerken
  • Verwaltung: Buchhaltung, Rechnungen, Unterlagen für den Steuerberater, Verträge
  • Weiterbildung: Kurse, Fachliteratur, neue Tools lernen
  • Leerlauf: Wartezeit zwischen Projekten, kurzfristige Absagen
  • Eigene Projekte: Website, Marketing, Prozesse

Wie groß diese Anteile bei dir sind, weißt nur du. Aber sie sind nie null. Und genau deshalb lohnt sich die Rechnung.

Die Rechnung: Von 365 Tagen zu deinen fakturierbaren Stunden

Die Rechnung hat drei Schritte. Du startest mit dem Kalender, ziehst alles ab, an dem du nicht arbeitest, und bewertest die verbleibende Zeit mit deiner Auslastung.

Schritt 1: Verfügbare Arbeitstage

Vom Kalenderjahr gehen zuerst die Wochenenden ab, dann die gesetzlichen Feiertage in deinem Bundesland. Dann kommt dein Urlaub – ja, auch als Selbstständiger brauchst du ihn. Dazu kommen Krankheitstage, die du nicht planen kannst, aber einplanen solltest, und Tage für Weiterbildung.

Was übrig bleibt, sind deine verfügbaren Arbeitstage. Je nach Urlaub und Bundesland liegt diese Zahl oft näher an 210 als an 250.

Schritt 2: Verfügbare Arbeitsstunden

Multipliziere die Arbeitstage mit deinen Stunden pro Tag. Rechne hier mit einer Zahl, die du dauerhaft durchhältst – nicht mit dem Wert aus deiner stressigsten Woche. Acht Stunden sind ein sinnvoller Ausgangspunkt; wer Kinder betreut oder nebenberuflich arbeitet, setzt entsprechend weniger an.

Schritt 3: Auslastungsquote

Jetzt kommt der entscheidende Schritt. Schätze, welcher Anteil deiner Arbeitsstunden tatsächlich für Kunden draufgeht. Diesen Anteil nennt man Auslastungsquote oder fakturierbare Quote.

Wenn du keine Zeiterfassung hast, nimm für die erste Rechnung eine vorsichtige Annahme und passe sie an, sobald du echte Daten hast. Wichtig ist, dass du nicht mit 100 % rechnest. Selbst in sehr guten Jahren bleibt ein spürbarer Anteil nicht fakturierbar.

Die Formel lautet dann:

Fakturierbare Stunden = Verfügbare Arbeitstage × Stunden pro Tag × Auslastungsquote

Multiplizierst du das Ergebnis mit deinem Stundensatz, bekommst du deinen realistischen Jahresumsatz. Umgekehrt kannst du dein Umsatzziel durch die fakturierbaren Stunden teilen und siehst, welchen Stundensatz du eigentlich brauchst. Wie du diese Rechnung um Kosten und Unternehmerlohn erweiterst, zeigt der Artikel Stundensatz berechnen als Freelancer.

Praxisbeispiel: Beraterin mit Umsatzziel 90.000 €

Das folgende Beispiel ist fiktiv und dient nur der Veranschaulichung. Alle Zahlen sind Annahmen.

Lena arbeitet als selbstständige Organisationsberaterin. Sie will im kommenden Jahr 90.000 € Umsatz erreichen und rechnet zunächst mit 2.000 Stunden. Dann macht sie die ehrliche Rechnung:

Position Wert
Kalendertage 365
– Wochenenden 104
= Werktage 261
– Feiertage an Werktagen (Annahme) 10
– Urlaub 25
– Krankheit (Annahme) 8
– Weiterbildung 5
= Verfügbare Arbeitstage 213
× 8 Stunden pro Tag 1.704 Arbeitsstunden
– 35 % nicht fakturierbar (Akquise 15 %, Verwaltung 10 %, Leerlauf 10 %) 596 Stunden
= Fakturierbare Stunden rund 1.108

Statt 2.000 Stunden bleiben rund 1.100. Das ist fast die Hälfte weniger – und genau der Grund, warum am Jahresende oft weniger auf dem Konto liegt als geplant.

Für Lenas Umsatzziel bedeutet das:

Rechnung Stundensatz
90.000 € ÷ 2.000 Stunden 45 €
90.000 € ÷ 1.108 Stunden gut 81 €

Hätte Lena mit 45 € kalkuliert, wäre sie mit ihrer tatsächlichen Auslastung bei knapp 50.000 € Umsatz gelandet. Nicht, weil sie zu wenig gearbeitet hat, sondern weil sie mit Stunden gerechnet hat, die es nicht gibt.

Die Hebel: Was du an der Zahl ändern kannst

Die schlechte Nachricht zuerst: Mehr Stunden am Tag oder weniger Urlaub sind keine Hebel. Beides hält niemand lange durch, und beides rächt sich meist über Krankheitstage. Die guten Hebel sitzen woanders.

Hebel 1: Verwaltung straffen

Buchhaltung, Rechnungen und Ablage fressen oft mehr Zeit, als man denkt – vor allem, wenn sie zwischendurch passieren. Feste Blöcke, ein sauberes Rechnungssystem und Vorlagen für wiederkehrende Aufgaben senken diesen Anteil spürbar.

Angenommen, Lena senkt ihren Verwaltungsanteil von 10 % auf 6 %. Das sind rund 68 Stunden mehr, die sie für Kunden nutzen kann – bei 81 € pro Stunde etwa 5.500 € Umsatz.

Hebel 2: Leerlauf vermeiden

Leerlauf entsteht, wenn ein Projekt endet und das nächste noch nicht begonnen hat. Wer Akquise nur dann macht, wenn gerade nichts zu tun ist, produziert diesen Leerlauf selbst. Eine feste Stunde pro Woche für Kontakte und Nachfassen – auch in vollen Phasen – glättet die Kurve.

Senkt Lena ihren Leerlauf von 10 % auf 7 %, gewinnt sie weitere rund 51 Stunden. Zusammen mit Hebel 1 liegt sie bei etwa 1.227 fakturierbaren Stunden statt 1.108. Das sind knapp 120 Stunden oder rund 9.600 € Umsatz mehr – bei gleichem Stundensatz und gleicher Arbeitszeit.

Hebel 3: Den Stundensatz an die echte Zahl anpassen

Der größte Hebel ist oft gar nicht die Stundenzahl, sondern der Preis. Wenn du weißt, dass du 1.100 und nicht 2.000 Stunden fakturierst, muss dein Stundensatz das abbilden. Jeder Euro mehr pro Stunde wirkt auf alle fakturierbaren Stunden: Bei 1.108 Stunden bringen 5 € mehr pro Stunde rund 5.500 € im Jahr.

Dein Stundensatz muss dabei nicht nur deine Kosten und deinen Unternehmerlohn decken, sondern auch Steuern und Rücklagen. Welche Beträge das bei dir konkret sind, klärst du am besten mit deinem Steuerberater – ein Planungstool wie THA·ONE ist eine Rechenhilfe und keine Steuerberatung im Sinne des StBerG.

Hebel 4: Pauschalen statt Stunden

Wer nach Stunden abrechnet, hat eine natürliche Obergrenze. Für klar abgegrenzte Leistungen – ein Workshop, ein Konzept, ein Audit – kann ein Festpreis sinnvoll sein. Dann zählt nicht mehr die Stunde, sondern das Ergebnis. Die fakturierbaren Stunden bleiben trotzdem deine Kalkulationsbasis: Du brauchst sie, um zu prüfen, ob der Festpreis deine Zeit tatsächlich deckt.

Wie du die Zahl im Alltag nutzt

Die Rechnung ist kein einmaliges Projekt. Sinnvoll ist, sie einmal im Jahr zu machen und dann quartalsweise zu prüfen: Liegst du bei der Auslastung, die du angenommen hast? Wenn nicht, hast du zwei Möglichkeiten – die Quote verbessern oder den Stundensatz anpassen.

Eine einfache Zeiterfassung hilft dabei mehr als jede Schätzung. Zwei Kategorien reichen für den Anfang: fakturierbar und nicht fakturierbar. Nach drei Monaten hast du eine Quote, die auf deinen Daten beruht statt auf Bauchgefühl.

Wenn du die Rechnung nicht von Hand machen willst: Der kostenlose Stundensatz-Rechner nimmt dir den ersten Schritt ab. Wer es genauer braucht, mit Feiertagen nach Bundesland, Szenarien und Break-even, findet auf der Seite Preiskalkulation das passende Werkzeug.

Fazit

Die Zahl 2.000 Stunden ist eine Rechengröße aus dem Angestelltenleben und passt nicht auf Selbstständige. Realistisch bleiben nach Urlaub, Feiertagen, Krankheit, Akquise und Verwaltung deutlich weniger – im Beispiel oben etwas mehr als die Hälfte.

Wer mit der echten Zahl rechnet, bekommt einen Stundensatz, der trägt, und ein Umsatzziel, das erreichbar ist. Und wer die Hebel kennt – weniger Verwaltung, weniger Leerlauf, ein passender Preis – kann die Zahl Schritt für Schritt verbessern, ohne mehr zu arbeiten.

Mach die Rechnung einmal ehrlich. Es ist der Unterschied zwischen einem Plan, der auf dem Papier funktioniert, und einem, der am Jahresende auf dem Konto ankommt.

Häufige Fragen

Wie viele fakturierbare Stunden pro Jahr sind realistisch?
Das hängt von Urlaub, Feiertagen, Krankheit und deinem Anteil an Akquise und Verwaltung ab. Wer ehrlich rechnet, landet meist deutlich unter der reinen Arbeitszeit – im Beispiel im Artikel bei rund 1.100 statt 2.000 Stunden. Eine eigene Zeiterfassung liefert dir die beste Grundlage für deine Zahl.
Wie berechne ich meine fakturierbaren Stunden?
Ziehe vom Kalenderjahr Wochenenden, Feiertage, Urlaub, Krankheits- und Weiterbildungstage ab. Multipliziere die verbleibenden Arbeitstage mit deinen Stunden pro Tag und anschließend mit deiner Auslastungsquote, also dem Anteil, der tatsächlich für Kunden draufgeht.
Was ist die Auslastungsquote?
Die Auslastungsquote ist der Anteil deiner Arbeitsstunden, den du Kunden in Rechnung stellen kannst. Sie liegt nie bei 100 %, weil Angebote, Buchhaltung, Weiterbildung und Leerlauf Zeit kosten. Für die erste Rechnung reicht eine vorsichtige Schätzung, die du später mit echten Daten anpasst.
Wie kann ich meine fakturierbaren Stunden erhöhen?
Die wirksamsten Hebel sind gebündelte Verwaltung, kontinuierliche Akquise gegen Leerlauf und ein Stundensatz, der zur echten Stundenzahl passt. Mehr Stunden am Tag oder weniger Urlaub bringen kurzfristig etwas, sind aber auf Dauer kein tragfähiger Weg.
Warum ist die Zahl der fakturierbaren Stunden für meinen Stundensatz so wichtig?
Dein Jahresbedarf muss mit den fakturierbaren Stunden verdient werden, nicht mit allen Arbeitsstunden. Rechnest du mit zu vielen Stunden, wird dein Stundensatz zu niedrig und am Jahresende fehlt Geld. Der kostenlose Stundensatz-Rechner hilft beim ersten Überschlag.

Hinweis: THA·ONE ist eine Planungshilfe und keine Steuerberatung (StBerG). Für deine individuelle Situation sprich mit deinem Steuerberater.

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